PRESSE
Augsburger Allgemeine vom 13.11.2018
MUSIK ZUM SCHWÄRMEN
BRAVOURÖSE DOMSINGKNABEN IN NEUSÄSS
Von Oliver Wolff

Die Augsburger Domsingknaben genießen einen weltweit guten Ruf. Erst kürzlich hatten sie beim BBC Music Magazine Award 2018 den Preis „Aufnahme des Jahres" für ihre Einspielung von Mahlers dritter Sinfonie erhalten, eine Produktion zusammen mit dem Sinfonieorchester und Chor des Bayrischen Rundfunks unter der Leitung von Bernhard Haitink. Am Sonntagabend stellte der Knabenchor nun sein Können in der ausverkauften Neusässer Stadthalle unter Beweis. Das weltliche Programm war bunt gemischt, von Klängen der Renaissance bis hin zur Popmusik. 23 Sänger waren auf der Bühne, davon acht Männerstimmen, plus Chorleiter Reinhard Kammler, der seine Sänger am Klavier begleitete. Vinzenz Löffel und Julian Romanovsky, beide 13 Jahre alt, waren an diesem Abend die Solisten. Sie meisterten den „Abendsegen" aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel" mit Bravour: ein märchenhafter Moment. Der Chor war brillant und sensibel zugleich. Das „Wiegenlied" von Max Reger und „Das Morgenrot" von Robert Pracht erwiesen sich als Programm-Highlights aus der späten Romantik. Eine Klasse für sich war das Feingefühl des Tonansatzes, während die Artikulation dennoch ausreichend präsent ist. Nicht nur Musik zum Schwärmen wurde geboten, auch ein musikalischer Ausflug nach Wien wurde unternommen. Zur „schönen blauen Donau" von Strauß durfte mitgeschunkelt werden. Das fast zweistündige Programm war ehrgeizig und wurde dem eigenen hohen Anspruch gerecht. Die komplexen Tonartwechsel und kontrapunktischen Stimmführungen wurden in einer bearbeiteten Version der „Vogelhochzeit" ausgezeichnet bewältigt, auch in der Intonation. „You rise me up", exklusiv für die Domsingknaben arrangiert, war einer der Popsongs des Abends. Reinhard Kammler erklärte, er unterscheide nicht zwischen Unterhaltungsmusik und „ernster Musik", lediglich zwischen guter und schlechter Musik. Allerdings: Hätten die Domsingknaben einen schlechten Song gesungen, er wäre an diesem Abend sicherlich zum guten geworden. Bravo!