PRESSE
Neue Presse Coburg vom 02.12.2017
GROSSARTIGE AUGSBURGER DOMSINGKNABEN...
...beschließen die Festlichkeiten zum 100. Geburtstag von Max Baumann in Kronach

Von Dr. Peter Müller

Nach dem hochkarätigen Festwochenende zum 100. Geburtstag des Kronacher Komponisten Max Baumann überhöhte das Konzert der Augsburger Domsingknaben am Samstag in der Stadtpfarrkirche St. Johannes alles bis dahin musikalisch Dargebotene. Vokalmusik der Renaissance und auserlesene Werke von Max Baumann vereinigten sich im kristallklaren Chorgesang der Augsburger Domsingknaben zu einer Klangeinheit der musica sacra, die Max Baumann zu höchsten Ehren gereichte.

Der Augsburger Domkapellmeister und musikalische Leiter der Domsingknaben Reinhard Kammler hatte seine Sänger hervorragend eingestellt, so dass die akustische Weite und Höhe der Stadtpfarrkirche voll zur Geltung kam. Auf diese Weise erhielt bereits der Gregorianische Gesang und das „Alma redemptoris mater" von Felice Anerio zum Eingang des Konzertes eine überwältigend magische Wirkung. Sieben Solisten im Altarraum sangen darauf „Laetentur coeli" und „Senex puerum portabat" von William Byrd im Dialog mit dem großen Chor aus dem Hintergrund der Kirche, wobei die Decke der Orgelempore die hellen Knabenstimmen in die Höhen des Kirchenraumes fliegen ließ. Das „Gloria" aus der Messe „Laetatus sum" für zwölf Stimmen von Tomaso L. da Vittoria erklang zwischen vier Solisten im Altarraum und zwei Chören an beiden Seitenpforten.

Alle Sänger fanden sich in Max Baumanns „Kyrie – Gloria" aus der Messe op. 39 zum vier- bis sechsstimmigen strahlenden, mit den Harmonien spielenden Klangbild zusammen. Mächtig und fugal akzentuiert stellte der in allen Stimmen geschlossene Chor das „Gloria" zu Ehren Gottes in den Raum und ließ im Ausklang das „Ave Maria" op. 43 vielstimmig dynamisch aufscheinen. Das melodiös-lyrische „Salve Regina" bündelte die fein gesponnenen Energiefäden der vielen Stimmen in einem breiten Band des Melodiebogens, der in der Anrufung Marias seinen Höhepunkt erfuhr.

Wiegend friedliche Wirkung erzielte „Also hat Gott die Welt geliebt" zu acht Stimmen von Andreas Raselius aus dem Hintergrund des Kirchenschiffes als Hinführung des Konzertes zu Max Baumanns Hommage an die traditionellen Kirchenchoräle mit der Kantate op. 96 „Tochter Zion, freue dich". Hierzu hatte Andreas Wolff die besten Blechbläser seiner Berufsfachschule für Musik Oberfranken zu einem würdigen Ensemble zusammengerufen, um Baumanns Kantate in der stimmlichen Präsenz des Kammerchores gerecht zu werden.

Kammerchor und Bläserensemble begeisterten in ihrem wechselseitigen Zusammenwirken mit den ganz unterschiedlich variierten und harmonisch transkribierten Kirchenchorälen: „Tochter Zion" führte mit der Macht aller Stimmen auf Weihnachten hin, „Wachet auf, ruft uns die Stimme" mit vollem Stimmvolumen, den Sopranen in höchsten Höhen und stimmungsvollem Trompetensolo, „O Heiland reiß die Himmel auf" mit mächtigen Bässen, die zusammen mit der Tuba für Gänsehaus-Feeling sorgten, „Adeste fideles" mit auftrumpfenden Trompetenfanfaren und einem hymnischen Ende, „Es ist ein Ros entsprungen" als voll klingender Gemeindechoral, „Maria zu lieben" als Bayerischer Ländler, „Hört der Engel helle Lieder" mit reinem Chorklang und philharmonischem Finale, „Schlaf mein Kindlein" als geheimnisvoll beginnendes Wiegenlied, das den mit den lebensvollen Stimmen in die Musik hineinzieht und zum Finale „Heut ist geboren ein Kindelein" mit festen Portato-Singstimmen zu vollem Bläserchor und einem opernhaften Klanggemälde des Chors, der an Puccini erinnerte.

Das große Auditorium der Stadtpfarrkirche war hellauf begeistert und feierte die jungen Sänger für ein außergewöhnliches Klangerlebnis, das vor allem auch Reinhard Kammler zu verdanken ist, der als Student mit Max Baumann gemeinsame Projekte in Berlin gestaltete und dem es in dankbarer Erinnerung an den herausragenden Musiker-Komponisten ein Herzensanliegen war, zu seinen Ehren mit den von ihm gegründeten Augsburger Domsingknaben in Kronach zu musizieren.