PRESSE
Aachener Zeitung vom 22.05.2016
24 Jungen und zwölf Männer umfasst das Ensemble der Augsburger Sängerknaben, die ihrem Auftritt in Büsbach mit wechselnden Positionierungen von Solisten und Stimmblöcken in der Kirche einen zusätzlichen Reiz gaben. Foto: M.-L. Otten Augsburger Sängerknaben auf höchstem Niveau. | Foto: M.-L. Otten
EIN CHORKONZERT AUF HöCHSTEM NIVEAU
Die Augsburger Domsingknaben untermauern beim Gastspiel in der Büsbacher Pfarrkirche ihren hervorragenden Ruf

Von Marie-Luise Otten

Stolberg-Büsbach. - Was haben Budapest, Büsbach und Beijing gemeinsam? Diese Frage richtete Kulturmanager Josef Paul im Festival-Programm 2016 zu Beginn an die Leser. Pfarrer Jürgen Urth griff sie bei der Begrüßung auf und verriet, dass der Kammerchor der Augsburger Domsingknaben dort in allen Städten in diesem Jahr konzertier(t)en. Nach China geht's von Ende Juli bis Ende August.

Und die Augsburger sangen nicht nur in Büsbach, „an der holländischen Grenze gelegen", auch in Maastricht, Aachen und Herzogenrath gab es von ihnen ein hochklassiges Konzert. Dazu kam die Mitgestaltung des Pontifikalamts zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei St. Gertrud (Herzogenrath). Es war erstaunlich, wie viele Leute in der Pfarrkirche St. Hubertus diesem kirchenmusikalischen Konzert am Freitagabend beiwohnten. Die sakrale a-cappella vorgetragene Musik der 24 Knaben und 12 Männer unter Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler umfasste Werke von der Renaissance über Barock und Romantik bis zur Moderne. Die dabei wechselnden Positionierungen von Knabensolisten und Stimmblöcken in der Kirche gaben den Stücken einen zusätzlichen Reiz.

Den Auftakt machte eine Motette von Johann Sebastian Bach. Im Trostgesang „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir" nach Worten des Propheten Jesaja zeigte der achtstimmige Doppelchor gleich seine hohe Stimmkunst. Die Domsingknaben aus Augsburg, die zu den führenden deutschen Knabenchören zählen, wurden ihrem Ruf gerecht. Dank intensiver Stimmschulung bewiesen die Knaben ein konstant hohes Niveau. Der Hymnus „A solis ortus cardine" von Johannes Mangon für Altus, Tenor und Bass war den Männern vorbehalten, die das lateinische Gedicht vom Tor der Sonnenbahn mit Höchstspannung darboten. Auch das „Laudate coeli" von Oratio Benevoli und das „Misere" von William Byrd war ein Musikerlebnis der besonderen Art. Die berühmte Fassung von Psalm 51 von Gregorio Allegri wurde in der Sixtinischen Kapelle in der Karwoche als erster Psalm der Laudes (Morgenlob) gesungen. Da das Kopieren der Partitur und die Aufführung an anderen Tagen verboten wurden, soll es der vierzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart bei einem Romaufenthalt zum Mittwochsgottesdienst gehört und später aus dem Gedächtnis aufgeschrieben haben und somit für die Verbreitung des Kunstwerks gesorgt haben.

Aus der „Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierluigi da Palestrina folgte auf das reich gesetzte 6stimmige Sanctus ein zartes, nur von hohen Stimmen gesungenes Benedictus. Die Chorwerke Franz Biebls, deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts, bestechen zwar durch Einfachheit und Eingänglichkeit, werden aber auch gerne von professionellen Ensembles genutzt. Sein bekanntestes Werk ist „Angelus Domini", das mit einem Vorsänger angestimmt, die Zuhörer in den Bann zog. Nach dem achtstimmigen Renaissance-Schatz von Tiburtius Massano wurde das Publikum in das leuchtende und makellos strahlende Engelterzett „Hebe deine Augen auf" aus dem Oratorium „Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy mitgenommen. Die sechsstimmige Motette „Abendlied" von Joseph Rheinberger am Ende waren noch einmal eine Herausforderung für die Intonation und die Homogenität des Chorklanges. Der Chor bestand diese mit Bravour, und wer den Kammerchor der Augsburger Domsingknaben unter der professionellen Leitung von Reinhard Kammler gehört hat, weiß, wie atemberaubend diese sein können. Nach lang anhaltendem Applaus folgte als Zugabe eine wunderschöne Vertonung des Gedichts „Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius.