PRESSE
OVB online vom 05.02.2018
RUHEPOL
Paradisi Gloria in der Herz-Jesu-Kirche

Von Tobias Hell

Auch wenn uns das vergangene Wochenende noch die eine oder andere Schneeflocke beschert hat, für weihnachtliche Klänge scheint es inzwischen trotzdem ein wenig zu spät, oder nicht? Nun ja, die Antwort müsste in diesem Falle wohl lauten: fast! Feiert die katholische Kirche doch offiziell bis Mariä Lichtmess. Außerdem hätte man beim zweiten, diesmal sehr anglophil geprägten Paradisi Gloria der Saison tatsächlich nur äußerst ungern auf Benjamin Brittens „Ceremony of Carols" verzichtet, die den Damen des BR-Chores Gelegenheit bot, sich sowohl einzeln, wie auch in geschlossener Formation von ihrer besten Seite zu zeigen. Bereits beim singenden Einzug in die Herz-Jesu-Kirche erstaunlich homogen und präzise agierend, demonstrierten vor allem die auf diesen gregorianischen Choral folgenden Abschnitte wieder einmal auf eindrucksvolle Weise, welch unglaublich reiche Ausdruckspalette diesem Ensemble zur Verfügung steht. Sensibel unterstützt einzig von Uta Jungwirth an der Harfe, die nicht nur beim solistischen Interlude die Saiten ihres Instruments so weich und zart anschlug, als wären es die silbrig im Tau glänzenden Fäden eines Spinnennetzes.

Deutlich druckvoller ging es dagegen bei Ralph Vaughan Williams' „Fantasia on a theme by Thomas Tallis" zur Sache, bei der Dirigent Ivan Repušić das in zwei sich bestens kontrastierende Streicherensembles aufgeteilte Rundfunkorchester gut im Griff hatte, ehe für Leonard Bernsteins „Chichester Psalms" noch einmal alle beteiligten Kräfte des Abends gebündelt wurden. Bäumten sich der Chor und das Orchester hier zunächst klangmächtig und beinahe schon brutal auf, sorgte das Einsetzen des emotional aufgeladenen Sopransolos für einen vom Komponisten klug gesetzten Ruhepol. Klar und sicher intoniert durch Julian Romanowsky von den Augsburger Domsingknaben, der seinem Chor ebenfalls alle Ehre machte.