PRESSE
Augsburger Allgemeine vom 02.02.2016
BESCHWINGT IN DEN TAG
„MOZ-art vokal“ der Domsingknaben

Von Manfred Engelhardt

Dass sie ihr „Kerngeschäft", die musikalische Liturgie, mit Können und Hingabe pflegen, ist wohlbekannt, auch die beeindruckende Tradition in Aufführungen großer Oratorienwerke (Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, die berühmten Passionen), älplerische Advents- und Weihnachtskostbarkeiten. Doch zur nachträglichen Geburtstagshuldigung für Amadé boten die Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Reinhard Kammler eine Philharmonische Matinee der besonderen Art: „MOZ-art vokal" gab es im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal zu hören. Die Jungsänger begeisterten mit einem weitgespannten Programm-Panorama von Mozart bis zu modernen Evergreens, die Märchen-Magie der „Zauberflöte" führte zwanglos zum lockeren „Schubiduba" des Pop. Knaben und Männer präsentierten sich in unterschiedlicher Besetzung, Stärke und Zusammenstellung, gemeinsam aber war ihnen gepflegte Stimmen-Kultur.

Die Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte" mit einem ironisch-parodistischen Text von Albert Lortzing über Komponisten und einem „Lebe hoch für Mozart" als Hauptaussage stimmten die Männer mit plastisch intonierten Linien an. Ebenso staunte man über die präzise Virtuosität, die weichen Klangwellen der Ouvertüre zur „Entführung aus dem Serail" in der Bearbeitung von Augsburgs Domorganistin Claudia Waßner. Auf den internationalen Bühnen sind die „Zauberflöten"-Knaben aus Augsburg überaus gefragt. Warum – dies demonstrierten sie wieder einmal beeindruckend mit den drei großen Auftritten „Zum Ziele führt dich diese Bahn / Seid uns zum zweiten Mal willkommen / Bald prangt den Morgen zu verkünden". Das fein-ironische „Bandelterzett", ein musikalisches Streiflicht aus dem Alltag der Mozarts, sowie der deftige Kanon „Freunde lasset uns beim Zechen" in entschärfter Textfassung waren weitere heitere Mozart-Grüße. Johann Strauß' „Tritsch Tratsch Polka", „Leichtes Blut" sowie die Walzer-Legenden „Kaiserwalzer" und „An der schönen blauen Donau" – auf rein vokaler, textloser Basis – brauchten mit ihrer tollen Klangfülle, ihrer natürlichen Artikulation keinen Vergleich mit den Wiener Sängerknaben zu scheuen.

Von Reinhard Kammler am Klavier begleitet oder von ihm lässig dirigiert, pendelte man danach mit Arrangements von Pop und Evergreens, changierend zwischen Swingle Singers und Comedian Harmonists, Wochenend und Sonnenschein, heiter in den Tag.