PRESSE
Fränkische Landeszeitung vom 7. Oktober 2014
Zu einem begeisternden Chorkonzert auf höchstem Niveau waren die Augsburger Domsingknaben zur Eröffnung der diesjährigen Stiftsbasilika-Konzerte in Herrieden zu Gast.
BRüCKEN ZWISCHEN DIESSEITS UND EWIGKEIT GESCHLAGEN
Kammerchor der Augsburger Domsingknaben begeisterte beim Konzert in der Stiftsbasilika

 

HERRIEDEN – Ein Fest der „musica sacra" mit alter Kirchenmusik bot der international renommierte Kammerchor der Augsburger Domsingknaben im Rahmen der Herrieder Stiftsbasilikakonzerte. Der Chorleiter, Domkapellmeister Reinhard Kammler, hatte ein vielseitiges und facettenreiches Programm zusammengestellt, das reich an Glanzpunkten war. Mit 40 hoch qualifizierten Sängern – Knabensopran-, Knabenalt- und Männerstimmen – führte der Domkapellmeister die zahlreichen Zuhörer durch alle wichtigen Epochen des kirchlichen Chorgesangs.

Bereits das Eröffnungsstück, das früh mittelalterliche iso-rhythmische „Kyrie" aus „La Messe de Nostre Dame" des bedeutendsten französischen Komponisten der „ars-nova"- Periode, Guillaume de Machault, verstand es, zu faszinieren und zu begeistern. Glasklare, sauber artikulierende gregorianische Männerstimmen – in vier Gruppen im Kirchenschiff verteilt – brachten in dieser, fast modern anmutenden polyphonen Messe des 14. Jahrhunderts die hervorragende Akustik der Herrieder Stiftsbasilika voll zur Geltung. William Byrds Erbarmen erflehendes „Miserere", der Cantus Gregorianus „Salve Regina" des frankoflämischen Kirchenmusikers Johannes Mangon und Robert Parsons „Ave Maria", das in einen traumhaften fünfstimmigen Kanon gehüllt war, ließen die traditionsreiche katholische Renaissance erblühen.

Die vielseitige Blüte der Vokalmusik im Barockzeitalter kam durch in Motetten und Choräle gekleidete Psalmtexte zum Tragen. Vielstimmig und kraftvoll wurde zur Religiosität aufgefordert und eindringlich zum Frieden gemahnt. Neben Werken des Heidelberger Hofkapellmeisters Andreas Raselius sowie von Heinrich Schütz und Andreas Hammerschmidt meisterte der Chor auch das achtstimmige, höchste Anforderungen stellende „Der Geist hilft unserer Schwachheit...", BWV 226, von Johann Sebastian Bach in beeindruckender Weise.

Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Abt verkörperten das melodienhafte, harmonisch jubelnde Liedgut der Romantik, wobei das Lied „Die Abendglocken" in eindrucksvoller Weise Elemente der Hochromantik und innige sakrale Spiritualität in sich vereinigte.

Als besonders interessanter, selten gebotener Einschub war der „Marianische Hymnus Akathistos" zu hören. Dieser dreistimmige, melodische Sprechgesang, zwischen Pianissimo und Mezzoforte schwebend, reicht mit seinen Iso-Rhythmen zu Ehren von Mariä Empfängnis bis in das fünfte Jahrhundert nach Christus in der byzantinischen Ostkirche zurück.

Mit klarem Duktus und entschlossener Prägnanz – fordernd, motivierend und Rückhalt gebend – leitete Reinhard Kammler den Chor der Augsburger Domsingknaben sicher um manch kleine Untiefe. Es gelang ihm auch, diesen zu faszinierenden Höhen zu tragen. Geschickt vollzog der Chorleiter immer neue Positionswechsel der Chorgruppen im Kirchenschiff.

Mit jubelnder, kraftvoller und klangsensibler Harmonie der hervorragend ausgebildeten Stimmen, mit den tief berührenden, stimmsicheren Tutti und filigranen Soli und ihrer stilistischen Wandelbarkeit verstanden es die jungen Chormitglieder, Brücken zwischen dem Diesseits und der Ewigkeit zu schlagen.

Als letzte, krönende Abschlusszugabe wurde den begeistert applaudierenden Zuhörern noch „Der Mond ist aufgegangen" von J.A. Peter Schulz nach dem bekannten Text von Matthias Claudius geschenkt: In einer wohl selten so feinsinnig gefühlvoll und voll friedlicher Harmonie vorgetragenen Interpretation konnte wohl jeder einen erfüllten Abendfrieden mit auf den Heimweg nehmen.

 

Von Volker Schmidt

Fränkische Landeszeitung