PRESSE
Augsburger Allgemeine vom 17. Dezember 2014
TOURNEE - ERSTMALS USA
Kalifornien, Berlin, Augsburg. Was die Domsingknaben vor Weihnachten leisten

Von Stefan Dosch

Die Augsburger Domsingknaben sind schon viel herumgekommen in der Welt. Nicht nur in zahlreichen europäischen Ländern war der Knabenchor bereits zu Gast, auch ins fernere Ausland führten mehrfach Reisen des von Reinhard Kammler geleiteten Vokalensembles – etwa nach Japan und nach Kanada, nach Ecuador und nach Südafrika. Da wundert man sich, dass die Domsingknaben in langen Jahren nie in den Vereinigten Staaten gewesen sind. Neuerdings aber sind auch die USA ein Punkt auf der Reiselandkarte des Chors. Eine gute Woche lang waren 26 Knaben- und 14 Männerstimmen zu Gast im kalifornischen Santa Rosa.

Beinahe wäre die Reise kurz vor Antritt ins Wasser gefallen, wurde doch der gebuchte Flug wegen des Pilotenstreiks gestrichen. Doch dem Kulturmanager der Domsingknaben, Josef Paul (auf dessen Betreiben der Kontakt nach Santa Rosa zustande gekommen war), gelang die Umbuchung in einer Nacht- und Nebel-Aktion. Allerdings zu dem Preis, dass die Reise in die USA statt der ursprünglich vorgesehenen 14 Stunden einen ganzen Tag in Anspruch nahm.

Santa Rosa, 90 Kilometer nördlich von San Francisco gelegen, verfügt über ein eigenes Orchester und eine moderne Konzerthalle. In der dortigen Musikreihe bestritten die Augsburger ein zweigeteiltes Programm unter dem Motto „Angelic Voices" (Engelsstimmen). Zum einen stellte der Chor in einer Reihe weihnachtlicher Motetten seine Fähigkeit im unbegleiteten A-cappella-Gesang unter Beweis. Im zweiten Teil des Konzerts dann übernahmen die Domsingknaben den Chor-Part in Mozarts „Körnungsmesse", geleitet von Santa Rosas Chefdirigent Bruno Ferrandis, einem Franzosen. Das Publikum reagierte enthusiastisch auf die jungen Sänger aus Augsburg.

Trotz der Proben und Konzerte – das Programm mit der Santa Rosa Symphony wurde an drei Tagen gegeben – blieb für die Domsingknaben Zeit für ein kleines Sightseeing-Programm. Die Golden Gate Bridge gehörte ebenso dazu wie ein Besuch jener Anhöhe, auf der Hitchcock einst seinen Horrorfilm „Die Vögel" gedreht hatte.

Kaum zurück aus den USA, standen für den Chor schon die nächsten Herausforderungen an. Bachs „Weihnachtsoratorium", das nun in dieser Woche an zwei Tagen aufgeführt wird, musste geprobt werden, vergangenen Sonntag hieß es schon wieder verreisen für einen Auftritt beim Bundespräsidenten, und am nächsten Wochenende stehen drei Termine an für die traditionellen Weihnachtskonzerte im Augsburger Rathaus. Dass ein solches Mammutprogramm mit Sängern, die sich zum Teil noch im Kindesalter befinden, überhaupt zu stemmen ist, darf als Ausweis des Leistungsvermögens der Domsingknaben gelten. Aber auch als Zeichen für die Fähigkeiten von Domkapellmeister Reinhard Kammler, der sein Ensemble fest in der schmalen Gruppe herausragender deutscher Knabenchöre verankert hat – und am heutigen Mittwoch 60 Jahre alt wird.