PRESSE
Günzburger Zeitung vom 05.07.2018
Die Augsburger Domsingknaben kommen im 15. Jahr zum Festival nach Günzburg – doch diesmal wird keine Musik von Bach erklingen beim Festival in der Frauenkirche. Stattdessen haben die Sänger Mozart, Haydn und Händel dabei. | Bild: Bernhard Gastager
DIESMAL OHNE BACH
Warum die Augsburger Domsingknaben für ihre Konzerte in der Frauenkirche erstmals ohne Bach auskommen – und es diesem trotzdem gefallen würde.

Von Rebekka Jakob

Der Flyer verspricht eine Menge: Auf dunkelblauem Grund leuchten in bunten Buchstaben berühmte Namen: Mozart, Haydn, Händel. Aber einer fehlt: Deswegen heißt der inzwischen zum Klassiker des Günzburger Kultursommers gemauserte Auftritt der Augsburger Domsingknaben in der Frauenkirche auch zum allerersten Mal in 15 Jahren eben nicht „Bach in Rokoko" sondern nur „Festival 2018 der Augsburger Domsingknaben". Im Gespräch mit unserer Zeitung verspricht Domkapellmeister Reinhard Kammler aber: Der Großmeister des Barock bleibt der Konzertreihe erhalten.

„Wir haben mit Mozart und Händel den Focus auf Bachs Zeitgenossen gelegt", sagt Kammler. Vor allem letzteren soll Bach geschätzt haben – mehrere Treffen der beiden Musikgrößen scheiterten jedoch. Der Meister dürfte also dem Vorhaben der Augsburger durchaus seinen Segen geben. Georg Friedrich Händel wird sogar doppelt vertreten sein im Festivalprogramm: Sein berühmtestes Werk, der Messias, wird sowohl am Samstag, 29. September, als auch am Sonntag, 30. September, aufgeführt. Zu hören ist es als „The Messiah" in der englischen Originalsprache, in welcher der Barockkomponist sein Oratorium 1742 in Dublin uraufgeführt hat.

An das Gebäude, in dem dieses historische Ereignis stattgefunden hat, Mr Neale's Great Musick Hall in Fishamble Street, erinnert heute nur noch eine Tafel in der Nähe des Schlosses. Wie Händel das Stück präsentierte, ist dagegen heute noch präsent und soll auch in Günzburg so umgesetzt werden, erklärt der Kulturmanager der Domsingknaben, Josef Paul. „Händel hatte das Oratorium damals mit einem Knabenchor aufgeführt – genauso, wie wir das jetzt auch tun werden." In der Dubliner Uraufführung sollen 16 Knaben den Sopran übernommen haben, die anderen Stimmen sangen Erwachsene.

Die Domsingknaben locken also an zwei Tagen mit dem wohl populärsten Stück geistlicher Musik – schon das berühmte „Halleluja", das König Georg den II. so ergriffen haben soll, dass er vor Rührung aufsprang, kennt praktisch jeder. Aber die Veranstalter bleiben auch ihrer Linie treu, seltener gehörtes mit nach Günzburg zu bringen. Eine Praxis, die den Domsingknaben bei ihrem Günzburg-Gastspiel übrigens auch Konzertbesucher aus England oder der Schweiz beschert hat. Diesmal sind es am Freitagabend, 28. September, Mozarts „Sancta Maria, Mater Dei" und seine Symphonie Nr. 33 in B-Dur.

Joseph Haydn steuert dazu das Konzert für zwei Hörner und Orchester sowie die „Missa in honorem St. Nicolai" bei. Garniert werden die drei Konzerte mit herausragenden Solisten: Zum Residenz-Kammerorchster München gesellen sich am Freitag die Hornsolisten Thomas Ruh und Norbert Dausacker. Neben den Knabensolisten werden bei „The Messiah" Tenor Matthew Swensen (Oper Frankfurt), Bariton Johannes Kammler (Staatsoper Stuttgart) und Altus Stefan Steinemann, der Assistent des Domkapellmeisters am Augsburger Dom auftreten. Ein schlagkräftiges Ensemble also für das Günzburger Festival, für das sich der Domkapellmeister vor allem viel Publikum aus der Region wünscht. Schließlich ist der jährliche Auftritt im Günzburger Rokokojuwel, vor 15 Jahren als Highlight nach der Renovierung der Kirche entstanden, für die Augsburger eine Art Heimspiel...