PRESSE
Allgemeine Zeitung – Rhein-Main-Presse vom 20. Mai 2014
STIMMSCHÖNHEIT AUS DER FUGGERSTADT
MAINZ - (jgw). Mit einem Auftritt der Augsburger Domsingknaben setzte die Musica sacra jetzt die Reihe „Psallite Deo – Knabenchöre zu Gast im Mainzer Dom“ fort. Zu Beginn bereitete der Mainzer Domchor seinem bajuwarischen Pendant ein klangvolles Willkommen und sang Motetten aus vier Jahrhunderten, darunter wunderbare Interpretationen von Sergej Rachmaninoffs „Bogorodize Djevo“ und des 43. Psalms „Richte mich Gott“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.

SCHLANK UND WENDIG

Dann stellte der Leiter und Gründer der Augsburger Domsingknaben, Domkapellmeister Reinhard Kammler, sein mit 38 Stimmen schlank besetztes Ensemble auf, um sich stilistisch in einem schmaleren Zeitkorridor zu bewegen: Renaissancemusik von Balthasar Resinarius und Orlando di Lasso über Robert Parsons und Giovanni Gabrieli bis zu Leonard Lechner und Gregorio Allegri stand auf dem Programm.

Für den konzertierenden „A-Chor" sucht sich Chorleiter Kammler die besten seiner Knaben aus, die intonatorisch beeindrucken und stilsicher die anspruchsvollen Motetten, die sich bis zur achtstimmigen Doppelchörigkeit aufspreizen, singen können. Auch ist ein kleiner Chor wendiger als eine große Besetzung. Da erklingt das „Pater noster" von Jakobus Gallus transparent und besonders in den Motetten, die der Dirigent in verschiedenen Aufstellungen im ganzen Dom singen lässt, potenziert sich der Chorklang zuweilen berauschend: Allegris „Miserere mei" mit berückend schönem Knabensolo, ein dynamisch effektvoll abschattierter Männerchor im byzantinischen Cantus „Hymnos akathistos" oder Andreas Raselius' „Also hat Gott die Welt geliebt" mit polyphonem Echo – die Augsburger imponieren mit Stimmschönheit und deutlicher Diktion.

ÜBERZEUGENDER DIRIGENT

Der Besuch der Augsburger Domsingknaben war ein chorisches Erlebnis, denn abseits aller Kritik bleibt vor allem die Bewunderung des Engagements auch der jüngsten Sänger sowie die Begeisterungsfähigkeit eines überzeugenden Dirigenten, was den meisten der deutschen Knabenchöre als gemeinsames Markenzeichen eigen ist. Einen weiteren Vertreter dieser Gattung können die Mainzer begrüßen am 2. Oktober: Dann nämlich besuchen die Windsbacher die Landeshauptstadt.