PRESSE
Augsburger Allgemeine vom 28.09.2015
Das Festival „Bach in Rokoko“ gehört seit 2003 zu den Höhepunkten im musikalischen Kalender Günzburgs. Wenn die Domsingknaben unter der Leitung von Reinhard Kammler, begleitet vom Residenz-Kammerorchester München, in der Frauenkirche auftreten, gibt es Jahr für Jahr exquisiten Musikgenuss und ein entsprechend begeistertes Publikum.
EIN FEST DER MUSIK
Domsingknaben und Residenz-Kammerorchester begeistern in der Günzburger Frauenkirche

Von Katharina von Glasenap

 

Renaissance, Barock, Klassik: Einen weiten Bogen hat Reinhard Kammler mit seinen Domsingknaben im Rahmen des Festivals „Bach in Rokoko" mit seinen Konzerten in der Günzburger Frauenkirche gespannt. Die Wahl der Stücke erlaubte dem Domkapellmeister, die Bandbreite seiner Sänger zu zeigen.

Den Auftakt am Freitag bereitete Orlando di Lasso, dargeboten von den Männerstimmen der Augsburger Domsingknaben. Diese jungen Erwachsenen sind ehemalige Solisten des Knabenchors, die nach dem Stimmbruch ihre Gesangsausbildung fortführten und heute auch eine kraftvolle Unterstützung der Kinderstimmen im Hauptchor darstellen. Auch im kleinen Ensemble der Männer faszinierte, was da zu hören war: Vom tiefen Bass bis in unglaubliche Höhen des Countertenors schaffen es die jungen Sänger, Wohlklang und Gefühl in ihren Gesang zu legen.

Zwei der sieben Bußpsalmen di Lassos, der erste und der vierte, und monumentale, kunstvolle Motetten mit gregorianischem Wechselgesang nahmen die Zuhörer gefangen: Reinheit, Klarheit, Frömmigkeit a cappella. Gregorianischer Choral im Gesamtchor, in dem sich die gerade noch so anders klingenden Solisten zu einer einzigen Stimme vereinten. Orlando di Lassos Missa super „Quand'io penso al martire" bildete den großartigen und bis in das Innerste ergreifenden Abschluss des Auftaktkonzertes. Dazwischen durften die Zuhörer Bach-Sonaten genießen. Kammler am Cembalo und der Geiger und Konzertmeister des Residenz-Kammerorchesters München, Peter Riehm, interpretierten mit zwei viersätzigen Sonaten musikalische Kontrapunkte zum Renaissance-Werk di Lassos, die nach Aussage seines Sohnes zu den besten Arbeiten Johann Sebastian Bachs, eines des größten Barock-Komponisten, gehören.

Der Kammerchor der Domsingknaben, Solisten und das Residenz-Kammerorchester standen am Samstagnachmittag auf der Bühne im Chor der Frauenkirche, wo sie sich ganz dem Werk Mozarts widmeten, eines anderen Giganten der musikalischen Welt, der Klassik. Nach der Renaissance des 16. Jahrhunderts eine neue, nicht weniger ergreifende Musikepoche.

Bis der Kammerchor der Domsingknaben in seiner großartigen Gesamtheit die Frauenkirche mit seinem Klang erfüllte, durften sich die Zuhörer mit einem Offertium, einem Messe-Gesang zur Gabenbereitung, in kleiner Besetzung in Mozarts geniale Kompositionen einhören. Das Kammerorchester, dirigiert von Reinhard Kammler, verstand es, die Bedeutung der Sinfonie in A-Dur als vorläufigen Höhepunkt in Mozarts sinfonischem Schaffen vorzustellen. Der halbstündige Instrumentalbeitrag mit vier artifiziellen Sätzen verwies auf die weltlich-höfische Seite in Mozarts Werken.

Mit dem Requiem d-Moll kehrte der Ernst zurück. Der Kammerchor, unterstützt von Gerhard Werlitz (Tenor) und Diogo Mendes (Bass), zog die Zuhörer in seinen Bann. Die Männerstimmen als Basis, über denen sich die klaren, reinen Knabenstimmen wie Klangwolken erheben, erfüllten den Raum mit Macht, doch ohne anmaßende Dominanz. Der Ernst der Knabensolisten, die Konzentration, Exaktheit und Kraft des Chors und des Orchesters, die in Klang umgesetzte Frömmigkeit in Vereinigung mit der zu Bild gewordenen Frömmigkeit der Kirche, durchdrangen als ein geniales Ganzes.