PRESSE
Augsburger Allgemeine vom 15.07.2020
Als Trio im Haus St. Ambrosius für die Augsburger Domsingknaben tätig (von links): Präfekt Johannes Isépy, Domkapellmeister Stefan Steinemann und Kulturmanager Max-Joseph Groß.
DAS NEUE TRIO AN DER SPITZE DER DOMSINGKNABEN IST PERFEKT

Der Generationswechsel im Spitzenensemble der Diözese Augsburg ist abgeschlossen. Am Sonntag sind die Türen geöffnet

Von Alois Knoller

Der Generationswechsel in der Leitung der Augsburger Domsingknaben ist nun komplett. Nach Stefan Steinemann, dem 28-jährigen Domkapellmeister, haben nun auch Johannes Isépy, 30, als neuer Präfekt und Max-Joseph Groß, 31, als neuer Kulturmanager im Haus St. Ambrosius in der Domkurve angefangen.

Wie seine Westentasche kennt Johannes Isépy das Haus bereits. Vom fünften bis zum 25. Lebensjahr war der geborene Augsburger ein Domsingknabe. Inzwischen hat er Griechisch, Latein und Religion für das Lehramt studiert und schreibt gerade seine Doktorarbeit über deutsch-lateinische Wörterbücher. 2009 hat er am Gymnasium bei St. Stephan sein Abitur gemacht, war ein Jahr in Ungarn, "um die Wurzeln meiner Familie kennenzulernen und zu vertiefen", und ein Semester seines Lateinstudiums in Rom "an einer Akademie, wo nur Latein und Griechisch gesprochen werden durfte".

Mit Stefan Steinemann ist Isépy lange schon bekannt. Auch der heutige Domkapellmeister war seit seiner Kindheit ein Augsburger Domsingknabe. Steinemann lernte nicht nur das Singen, er erhielt dort auch seinen ersten Unterricht an Klavier und Orgel. An der Hochschule für Musik und Theater in München studierte er katholische Kirchenmusik, Gesang und Chordirigieren. Zudem absolvierte er von 2016 bis 2018 den Masterstudiengang an der Schola Cantorum in Basel. Auf Konzerten bietet Stefan Steinemann als Solist oder als Teil kleinerer Vokalensembles vor allem Werke barocker Meister, aber auch Musik der Renaissance und des Mittelalters.

Max-Joseph Groß ist in Passau aufgewachsen. Schon während seiner Schulzeit am Gymnasium Leopoldinum wurde ihm eine musikalische Ausbildung zuteil. Er spielt die Trompete. Mit 15 hat er seine erste Bläsergruppe gegründet - "da hat mich die Lust am Organisieren gepackt". Im Zivildienst assistierte er einer blinden Jura-Doktorandin und begann selbst, die Rechte zu studieren. Allerdings zog ihn noch mehr das Musik-Lehramt an, das er mit dem Masterstudium Kulturmanagement in München kombinierte. Erfahrungen sammelte er bereits bei der Semperoper in Dresden und bei der Oper Frankfurt am Main, wo er den Bürgersinn einer Stadt ("genauso wie in Augsburg") entdeckte.

Als erstes große Projekt in Augsburg gestalten die beiden Neuen den Tag der offenen Tür mit, der am Sonntag, 19. Juli, stattfindet. Angesprochen sind damit nicht nur Familien mit sangesfreudigen Buben, die sich für die Musikalische Früherziehung oder den Vorchor anmelden können. Auch andere Interessenten, die das Haus St. Ambrosius kennenlernen wollen, sind zwischen 10.30 und 15.30 Uhr willkommen. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Inzwischen durfte die Probenarbeit bei den Domsingknaben wieder anlaufen. Kommende Auftritte werden allerdings "nur zaghaft" geplant. Man weiß nicht, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht. "Unsere Kernarbeit im Dom bietet auf jeden Fall wieder Möglichkeiten und wir hoffen, dass wir bald auch wieder im öffentlichen Bereich auftreten", sagt Stefan Steinemann. Er hält es für möglich, das Weihnachtsoratorium von Bach im Dezember aufzuführen ("wir machen das notfalls mit wenigen Proben"). Auch die Vorbereitung von Knabensolisten für Opernpartien geht weiter. "Vom Musikalischen her gesehen wird nichts umsonst einstudiert."

Kontakt unter Tel. 0821/51 00 88, www.augsburger-domsingknaben.de